Mehr Bio, spannende Forschung und ein neues Konzept
Donaumoos-Zweckverband stellt auf Ökolandbau um und präsentiert Projektergebnisse – Entwicklungskonzept geht in die heiße Phase
Der Donaumoos-Zweckverband wird ein Ökobetrieb. Darauf haben sich die Mitglieder der Verbandsversammlung in ihrer Sitzung am Dienstag im Haus im Moos in Kleinhohenried geeinigt. Außerdem befasste sich das Gremium mit der Fortschreibung des Donaumoos-Entwicklungskonzepts, die derzeit in die heiße Phase geht, sowie mit Berichten aus dem Donaumoos-Team und zum abgeschlossenen Forschungsprojekt „MoorMotive“.
Die Fülle an Themen zeigt es schon: Diesmal mussten Verbandsräte und Fachbeiräte viel Sitzfleisch mitbringen. Das lag allerdings nicht allein an der Diskussionsfreude der Gremiumsmitglieder, sondern auch an den bedeutenden Inhalten. Vergleichsweise rasch lief da noch die Debatte über eine Umstellung des landwirtschaftlichen Betriebs des Donaumoos-Zweckverbands auf Ökolandbau. Ausschlaggebend für diesen Schritt sind mehrere Überlegungen. Zum einen gelten für den Anbau des zugekauften Winterfutters für das Wisentgehege des Verbands nicht die gleichen Vorgaben wie für die Verpachtung der eigenen Flächen. „Und das ist ein Widerspruch“, so Projektmanager Jan Rauschenberger. Zum anderen winken trotz höherer Ausgaben langfristig Mehreinnahmen durch Flächenprämien. Argumente, die auch das Gremium überzeugten, so dass die Verwaltung die erforderliche Zertifizierung nun angehen soll.
Viel Arbeit liegt auch bei der Fortschreibung des Donaumoos-Entwicklungskonzepts aus dem Jahr 2000 noch vor der Mannschaft des Zweckverbands – aber auch bereits hinter ihr, wie sich im Vortrag von Geschäftsführer Michael Hafner zeigte. Er schilderte den Aufbau der Fortschreibung, welche die Struktur aus dem Jahr 2000 um wesentliche Inhalte ergänzt und damit den Transfer von der Jahrtausendwende in die heutige Zeit meistert. „Wir sind noch nicht am Ende, aber trotzdem steht schon einiges“, erklärte Hafner und erinnerte daran, dass ein interdisziplinär aufgestelltes Team an der Fortschreibung arbeitet. Diese wird am Ende wohl einige Hundert Seiten umfassen, die das visionäre Ursprungswerk mit den Anforderungen der heutigen Zeit vereinen und zugleich einen realistischen Rahmen setzen soll. Über allem steht weiterhin die Freiwilligkeit als oberster Grundsatz der Donaumoos-Entwicklung, der nicht angetastet wird. „Diese Fortschreibung ist nicht nur hochkomplex, sondern auch ein richtig dickes Brett“, attestierte Landrat Peter von der Grün als Vorsitzender des Zweckverbands und betonte, dass die nächste Fortschreibung dann nicht wieder 25 Jahre dauern sollte – was durchaus im Sinne der Verbandsverwaltung ist.
Wesentlichen Anteil an der Entwicklung und am Konzept hat auch das Donaumoos-Team, das seine Arbeit in regelmäßigen Abständen im Gremium vorstellt. Diesmal übernahm diesen Part Lorand Boksan, der für das Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben für das Flächenmanagement und für Flurneuordnungen zuständig ist und hierbei eng mit dem Donaumoos-Zweckverband arbeitet. Dabei geht es seinen Worten zufolge um das gesamte Portfolio, inklusive dem kleinstmöglichen Verfahren, dem Freiwilligen Landtausch. Anhand mehrerer Beispiele wie den möglichen Flurneuordnungen im Baierner Flecken und bei Brunnen sowie dem geplanten Moorschutzgebiet „In den Flecken“ veranschaulichte er dem Gremium auch das Miteinander von Verband und Behörde bei Käufen und Tauschverfahren. „Denn über die Kombination mehrerer Möglichkeiten kommt man hier schon sehr weit“, so Boksan.
Weit gekommen ist der Zweckverband gemeinsam mit seinen Industriepartnern auch beim Forschungsprojekt „MoorMotive“, das nun abgeschlossen wurde. Konkret haben die Untersuchungen gezeigt, dass sich Seggen – eine Paludikultur, die bei hohem Grundwasserstand gedeiht – gut für eine Verwendung in Leichtbauteilen für die Automobilindustrie eignen. Laut Projektkoordinatorin Anita Walter vom Zweckverband haben sämtliche Tests überzeugt; beim Dämpfungsverhalten schnitt das Paludi-Teil sogar besser ab. Dazu kommt durch die Verwendung des Pflanzenmaterials eine CO2-Einsparung von vier bis fünf Kilogramm pro Bauteil. Und auch technisch klappt alles, wie Christian Gerner vom beteiligten Unternehmen Koller aus dem Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz betonte. Einzig bei den Kosten musste er Abstriche machen. „Denn eine Kostenneutralität im Vergleich zum bisherigen Serienbauteil ist nicht zu erwarten.“ Oder wie es Landrat von der Grün ausdrückte: „Die Verwendung kann empfohlen werden, aber ohne staatliche Förderung kann es nicht gehen.“
Bauteil mit Potenzial: So sehen die Ergebnisse des Forschungsprojekts „MoorMotive“ aus.

